Gewinner des kostenlosen Fernstudiums für Autoren

Die Jury hat aus der Vielzahl der per Online-Formular eingesandten Gedichte zur Ausschreibung der Frankfurter Bibliothek 2009 drei Vollstipendiaten ausgewählt.

Die Gewinner sind: Flo, Katja Zehring und Martin Füser. Ab Juni werden sie in zwölf Monaten das Fernstudium Literarisches Schreiben an der CORNELIA GOETHE AKADEMIE absolvieren, ferner unter der Betreuung eines Lektors, ihr schriftstellerisches Können erweitern und sich neuen literarischen Feldern erschließen. Wir wünschen den Studenten viel Spaß und Erfolg beim Erkunden der Welt des Schreibens.

Wenn auch Sie einen Studienfreiplatz an der CORNELIA GOETHE AKADEMIE gewinnen möchten, nehmen Sie am Gedichtwettbewerb der Frankfurter Bibliothek 2009 teil und senden Ihr Gedicht per Online-Formular ein.

Die Gedichte der Gewinner:


 Flo: Zwiegespräch mit Goethe
 Katja Zehring: Juni
 Martin Füser: Der Dichter


Zwiegespräch mit Goethe

Johann Wolfgang, alter Knabe.
Komm, erzähle mir von dir.
Stünd’ ich heut’ an deinem Grabe,
„Ach, mir geht es, so wie dir!“

Deine Liebe, die beseelte,
hast Ulrike du genannt.
Wie dich diese Liebe quälte,
die in dir so spät entflammt.

Ich kann es wohl nachempfinden,
wie dein Körper und dein Geist,
deine späten Liebessünden,
in die Altersschranken weist.

Sieh! Auch ich mit meiner Seele,
hab’ gekostet von dem Wein.
Herb und süß – wie ich mich quäle,
ach, so spät verliebt zu sein.

Johann, Wolfgang! Ich muss gehen.
Dir gilt heute mein Gedicht.
Ich kann dich so gut verstehen,
mich jedoch, begreif’ ich nicht.



Flo


Juni

Der Regen klopft froh an das Fenster
Ein Zustand den ich gerne mag
Sie tanzen umher wie kleine Gespenster
Was für ein schöner Regentag

Die Sonne blinzelt durch die Wolken
Wirft einen Strahl zur Erd hinab
Sie küssen sich – Ihr hat’s gegolten
Was für ein schöner Regentag

Die Blumen eifrig Wasser trinken
Ein Regenbogen bunt erstrahlt
Ich sitz im Fenster, seh ihn winken
Was für ein schöner Regentag

Die Leute unten eilig ziehen
Die Straßen gehen baden
Sie wollen in die Häuser fliehen
Ich liebe diese Regentage

Mein Blick fällt auf’s Kalenderblatt
Sie hätt es fast vergessen
Das Mädchen – starr, blickt still und sagt:
„Was für ein traurig-schöner Tag“



Katja Zehring


Der Dichter

Er ist voll Geist und nicht ganz dicht,
kann nichts für sich behalten.
Ständig Verse er (v)erbricht,
will dauernd Text gestalten.

Lettern, Worte, Satzgefüge –
er balanciert sie munter,
kennt manche Reime zur Genüge
und bringt sie alle unter.

Er würgt die Silben, sprengt Vokale,
er spielt der Sprache Richter.
Man versteht’s nicht zur Totale
und wünscht, er wäre dichter.

Nach Sinn sucht er, quält sich mit Pein,
Gedanken – schwer, elende.
Für ihn Erlösung liegt im Reim,
für’n Leser am Textende.



Martin Füser


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